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Systemfehler - Teil 1: Gier als Basis unseres wirtschaftlichen Denkens


Unser Wirtschaftssystem basiert auf der Überzeugung, dass steigender Wohlstand erstens erstebenswert und zweitens durch gewinnorientiertes Denken und Handeln am effizienteten zu erreichen sei. Obwohl beides letztlich selbstzerstörend wirkt, gilt das kapitalistische Wachstumsmodell immer noch als alternativloses Fundment unserer Gesellschaft.


Inhaltsübersicht:

  1. Gier als Basis unseres wirtschaftlichen Denkens: Hintergründe und Konsequenzen eines auf Wachstum basierenden Wirtschaftsmodells
  2. Reflexionen, Ideen und Ansätze kritischer Ökonomen und Sozialwissenschaftler: Denksanstöße zur Frage, ob Wirtschaft, Umweltschutz und Gerechtigkeit vereinbar sind
  3. Weiterführende Informationen und Buchtipps

1) Gier als Basis unseres wirtschaftlichen Denkens


1.1 Inspirierende (Kurz-)Filme zum Einstieg


VIDEO: Wachstum & Umwelt - Überdenken des wirtschaftlichen Paradigmas 

5:08 Minuten, englisch

Ein fünfminütiges englisches Video, das dazu inspiriert, das Paradigma unbegrenzten Wirtschaftswachstums auf Kosten unseres eigenen Wohlergehens zu überdenken. Zur hier geäußerte Kritik an unserem wirtschaftswissenschaftlichen Denken finden Sie tiefergehende Informationen in Abschnitt 1.3: Die Ignoranz der Wirtschaftswissenschaft.

VIDEO: Brauchen wir Wirtschaftswachstum? (ARTE)

29:20 Minuten, deutsch

Dieser halbstündige ARTE-Beitrag aus der Reihe "42 - Die Antwort auf fast alles" beleuchtet die Geschichte und die Problematik des Wirtschaftswachstums. Sie geht zum Schluss auch der Frage nach, inwiefern eine Entkopplung von Güterwachstum und Umweltbelastung durch moderne Technologien denkbar sein könnte.

VIDEO: Der hohe Preis des Materialismus

5:36 Minuten, englisch

Prof. Tim Kasser war bis 2019 Professor für Psychologie am Knox College in Galensburg (Illinois/USA) und hat über hundert wissenschaftliche Abhandlungen zu den Themen Materialismus, Werte, Ziele und Lebensqualität veröffentlicht. Hier finden Sie einige seiner Kernaussagen mit Videoanimation.

VIDEO: What a Way to Go - Life at the End of Empire

124 Minuten, englisch

Dieser Film schert hier etwas aus der Reihe, weil er gar nicht kurz, sondern lang ist und außerdem schon etwas älter, nämlich von 2007. Er ist in seinen Kernaussagen dennoch aktuell und inspirierend und zeigt schonungslos die zivilisatorischen Probleme auf, in die sich die Menschheit in den letzten Jahrhunderten/Jahrzehnten hineinmanövriert hat.


1.2 Gier und Machtmissbrauch großer Konzerne und Wirtschaftsorganisationen 


VIDEO: Diese 10 Konzerne produzieren alles, was du kaufst

9:12 Minuten, deutsch

Als leichter Einstieg ins Thema verdeutlicht dieses Video am Beispiel der Nahrungsmittelindustrie, wie ganz wenige Großkonzerne fast den kompletten Markt dominieren. Dieses Beispiel lässt sich ohne Weiteres auf andere Branchen übertragen (Finanzen, Automobilindustrie, Tech-Branche, ...), auch da dominieren jeweils eine Handvoll "Big Player" den gesmaten Markt.

VIDEO: Die Wahrheit über Nestlé (und andere Weltkonzerne)

9:54 Minuten, deutsch

Vor einigen Jahren hat Mirko Drotschmann (MrWissen2go) damit begonnen, einige weltbekannte Großkonzerne zu portraitieren und dabei auch auf einige ihrer unmoralischen, von Gier getriebenen Machenschaften einzugehen. Hier ist als Beispiel sein Video über Nestlé verlinkt, man findet auf seinem Kanal aber auch Videos über McDonald's, Coca-Cola, Apple und andere Weltkonzerne.

VIDEO: Hans-Jürgen Jakobs - Wem gehört die Welt?

81 Minuten, deutsch

Hans-Jürgen Jakobs ist ein renommierter Wirtschaftsjournalist (Handelsblatt, Süddeutsche, Spiegel, ...) und Autor des Buches „Wem gehört die Welt?“ (siehe Abschnitt 3: Weiterführende Informationen und Buchtipps). Er beleuchtet in diesem Vortrag, wer die zentralen Felder der Weltwirtschaft dominiert und welche Geldmassen dabei im Spiel sind.

VIDEO: Dokumentarfilm "The Corporation"

144 Minuten, deutsch

Fast alle großen Konzerne dieser Welt sind als Aktiengesellschaften organisiert (englischsprachige Entsprechung: Corporation).

"The Corporation" ist ein englischer Dokumentarfilm, der die Charakteristika dieser Rechtsform untersucht, bei der die Konzerne als "juristische Person" auftreten, die dahinterstehenden, tatsächlichen Eigentümer sich aber fast jeder Verantwortung entziehen können. Der Film kommt zu dem Schluss, dass solche Konzerne, wenn sie denn wirklich eine Person wären und nicht nur eine "juristische Person", als gefährlich destruktive Psychopathen ohne Gewissen eingestuft werden müssten.

VIDEO: Das Pharmakartell (ZDF) 

44:16 Minuten, deutsch

Dies ist eine investigative, mehrfach ausgezeichnete Doku aus dem Jahr 2008, ausgestrahlt im ZDF-Magazin "Frontal 21". Filmemacher von Christian Esser und Astrid Randerath decken darin Gier und Machtmissbrauch der Pharmaindustrie auf. Als Vorgeschmack nur ein Zitat aus dem Film: "Wir haben es hier sogar mit Strukturen zu tun, von denen die Mafia noch was lernen könnte." Uwe Dolata, Kriminal-Hauptkommissar (BDK)

John Perkins: Imperiale Politik, IWF, Weltbank und Großkonzerne

John Perkins war viele Jahre als Chef-Ökonom eines großen internationalen Beratungsunternehmens tätig, dabei arbeitete er für die Weltbank, die UN, den internationalen Währungsfond, das US Finanzministerium, Fortune 500 Unternehmen und Länder in Latein-Amerika, dem mittleren Osten, Afrika und Asien. Während dieser Zeit arbeitete John Perkins direkt mit Regierungschefs und Konzernchefs großer Unternehmen zusammen.

Seine Bücher über Wirtschaft und Geopolitik haben sich mehr als eine Million mal verkauft und waren Bestseller, die in über 30 Sprachen übersetzt wurden. John's "Bekenntnisse eines Economic Hit Man" war 70 Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times und deckt die internationale Korruption in Politik und der Konzernwelt auf. Sein Buch "Weltmacht ohne Skrupel" zeigt, wie die USA durch verborgene Operationen zur ersten wirklichen Weltmacht wurden. Sein Buch "Hoodwinked" stellt einen Plan für eine neue Form einer globalen Wirtschaft vor. John geht dabei auf konkrete Schritte ein, die uns zu einer nachhaltigeren, gerechteren und friedlicheren Welt führen können.

Hinweise zu seinen Büchern finden Sie in Abschnitt 3 "Weiterführende Informationen und Buchtipps" Nachstehend finden Sie außerdem ein interessantes Interview mit John Perkins.

VIDEO: John Perkins - Wirtschaftsmafia und globales Imperium 

69 Minuten, englisch

0:00:10 Definition von Konzernherrschaft, das Drehtür-Prinzip
0:04:00 Wirtschaftskiller-Definition, Schaffung eines globalen Imperiums
0:06:25 Attentat auf Jacobo Árbenz Guzmán, Präsident von Guatemala
0:07:50 Attentat auf Jaime Roldós Aguilera, Präsident von Ecuador
0:11:20 Attentat auf Salvador Allende, Präsident von Chile
0:13:20 Attentat auf Omar Torrijos, Präsident von Panama 
0:16:00 Tötung von Manuel Noriega (Panama) zusammen mit 2000 Zivilisten 
0:20:35 Ersetzen von Moh. Mosaddegh (Präsident vom Iran) durch einen Diktator
0:23:20 Hugo Chavez (Präsident von Venezuela) als Schlüsselfigur der demokratischen Revolution
0:27:15 Saddam Hussein (Präsident vom Irak), Militäreinsatz als letzte Option
0:30:30 Das "Teile und Herrsche"-Prinzip, Chaos als Werkzeug, Afrika
0:34:25 Zusammenhänge, Folgen des Zerstörens der Wirtschaft von armen Ländern
0:36:00 Top-Militärs wollen keinen Krieg, Konzerne wollen Krieg 
0:37:25 Verzweifelte Menschen: "Partisanen", "Kommunisten", "Terroristen" 
0:43:50 Ersetzen des Goldstandards durch einen Ölstandard
0:48:00 Energie und Konsum, Öl als Kontrollinstrument
0:51:40 Reflektierung, Transformation des Imperiums
0:54:20 Gier als Maßstab für "Erfolg", Gewinnmaximierung um jeden Preis
0:58:25 Nachhaltigkeit - Die absurde Frage: Sollten wir nachhaltig werden?
1:02:00 Schicksal des Zufalls, wie reagiert man auf Zufälle, nächste Generationen
1:04:45 Veränderung - Wie verbessert man die Welt?
1:08:15 Ende des Interviews


1.3 Die Ignoranz der Wirtschaftswissenschaft 



Von klugen Wissenschaftlern sollte man eigentlich erwarten, dass sie die gesellschaftlichen Probleme, die ganz offensichtlich und für jeden nachvollziehbar mit unserem wachstumsgetriebenen Wirtschaftsmodell einhergehen, aufgreifen und nach entsprechenden Lösungen suchen. Im Fachbereich der Wirtschaftswissenschaften ist das aber leider nicht der Fall.

Geistige Monokultur in der Wirtschaftswissenschaft

Auf theoretischer Ebene bildet sich hier die gleiche Alternativlosigkeit ab, die in der sozialen Wirklichkeit der kapitalistischen Marktwirtschaft zugeschrieben wird: Jenseits eines auf dem Ziel der effizienten Wohlstandsmehrung und dem Menschenbild eines egoistischen, nutzenmaximierenden Wesens (homo oeconomicus) basierenden Paradigmas (die sogenannte "neoklassische Theorie"), gibt es in der akademischen Wirtschaftwissenschaft nur sehr wenige alternative Denkansätze (Kritik formiert sich seit der Jahrtausendwende durch die Bewegung der "pluralen Ökonomik", siehe mehr dazu weiter unten).

Mit dieser Grundausrichtung verschließt sich ein Großteil der akademischen Wirtschaftswissenschaft drängenden Problemen wie dem Raubbau an Mensch und Natur. Davon zeugen exemplarisch auch einige Zitate aus entsprechenden Lehrbüchern.

Standard-Lehrwerk der Wirtschaftswissenschaft

Fehlendes Umweltbewusstsein in Lehrbüchern - ein Beispiel

Zur Ökologie-Problematik und möglichen Grenzen des Wachstums verwendet der Autor des einflussreichen Standard-Lehrwerks "Grundzüge der VWL", Prof. Gregory Mankiw (übrigens ein ehemaliger Berater des US-Präsidenten George W. Bush), exakt eine Seite - und das in einem über 1000 Seiten starken Buch.

Auf besagter Seite 652 darf man dann Folgendes lesen:

„Obwohl [der Zusammenhang zwischen Wachstum und Ressourcenverbrauch] einleuchtend erscheint, sind die meisten Volkswirte über solche Grenzen des Wachstums weniger beunruhigt, als man vermuten könnte. Sie vertreten die Ansicht, dass der technologische Fortschritt oftmals Wege eröffnet, diese Grenzen zu umgehen. […] Moderne Autos verbrauchen weniger Benzin. Neue Häuser haben eine bessere Isolierung und erfordern weniger Heizenergie. Leistungsfähigere Fördertürme verschwenden bei der Erdölgewinnung weniger Öl […].“

Die Technik wird es also richten... und damit ist das Thema dann abgehandelt. Darüber, dass die Ressourcenausbeutung und Umweltbelastung trotz solcher technologischer Fortschritte, die sich ja nun schon seit Jahrzehnten vollziehen, stetig weiter ansteigen, verliert Mankiw kein Wort - der genaue Blick in die Realität, empirische Beweise, Zahlen und Fakten fehlen.

Würde er sie berücksichtigen, zeigte sich eben schnell, dass das starke Wachstum von Produktion und Bevölkerung den an sich zwar erfreulichen technologischen Effizienzfortschritt offensichtlich überkompensieren. Die Entwicklung des Earth Overshoot Day mag hier als erster Beleg reichen: https://de.wikipedia.org/wiki/Erdüberlastungstag.

Beachten Sie dabei insbesondere das Jahr 2020 (bzw.das Jahr 2009). Damals sank wegen des Corona-Lockdowns das globale BIP massiv (bzw. 2009 leicht wegen der Finanzkrise). Genau in diesen Jahren sank auch die Umweltbelastung. Das allein belegt sehr deutlich den direkten Zusammenhang zwischen Produktion/Wohlstandsmehrung und Umweltbelastung. Wer genauere Daten zu diesem Themenkomplex konsultieren will, wird z.B. im Buch "Adieu Wachstum" von Dr. Norbert Nicoll fündig (siehe Abschnitt 3: Weiterführende Informationen und Buchtipps)

Fehlendes soziales Bewusstsein und undiffernzierte Grundannahmen

Übrigens beginnt das oben abgebildete Lehrwerk von Gregory Mankiw mit der Auflistung von 10 vermeintlichen Gesetzen, nach denen die Wirtschaft angeblich funktioniert (so als hätte man es hier mit mechanistischen Ursache-Wirkungs-Beziehungen unbelebter Materie statt mit komplexen Interaktionen zwischen Menschen zu tun). In diesem Kontext stößt man auf ein weiteres, irritierendes Zitat:

„Wenn die Regierung Einkommen von den Reichen zu den Armen umverteilt, senkt sie die Entlohnung für harte Arbeit [sic!], weshalb Leute wiederum weniger arbeiten und weniger Güter produzieren".

Diesen Satz lesen Jahr für Jahr Zehntausende Studierende an unseren Universitäten, und da er unter einem der 10 einführenden "Gesetze" abgedruckt ist, steht zu befürchten, das kaum ein Student diesen Satz zu hinterfragen wagt. Dabei ist doch sehr fragwürdig, was den jungen Leuten hier beigebracht wird, nämlich:

- dass die Reichen angeblich durch harte Arbeit reich geworden seien (kein Wort über Verhältnismäßigkeiten oder leistungslose Besitz- oder Transfereinkommen wie z.B. Dividende, Zins oder schlicht Erbe/Schenkung)
- dass Geld einen derart ausschlaggebenden Arbeitsanreiz darstellt (was Psychologen längst widerlegt haben, siehe hierzu z.B. diesen Artikel der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/etwas-mehr-anerkennung-bitte-der-mensch-arbeitet-nicht-fuer-lohn-allein-1728252.html)
- dass Umverteilung von Reich zu Arm den Gesamtwohlstand einer Volkswirtschaft senkt (was andere Wirtschaftstheorien wie der Keynesianismus theoretisch zu widerlegen versuchen und was in Anbetracht des hohen Gesamtwohlstands der skandinavischen Länder, die traditionell stärker umverteilen, empirisch auch schwer nachzuweisen sein dürfte)
- dass es implizit schlecht ist, wenn weniger produziert wird

Alle vier Aussagen sind wissenschaftlich eigentlich nicht haltbar, da undifferenziert und unterkomplex. Sie laufen darauf hinaus, dass die extremen Arm-Reich-Unterschiede legitimiert werden mit dem Hinweis, dass sie erstens leistungsgerecht seien und zweitens ansonsten ja der Wohlstand sinke.

Plurale Ökonomik - die Gegenbewegung in der Wirtschaftswissenschaft

Um die Jahrtausendwende schlossen sich in Europa, ausgehend von der Pariser Sorbonne, immer mehr Studenten zusammen, die mit den Lehrinhalten ihres Wirtschaftsstudiums unzufrieden waren. Sie beschwerten sich, dass sich die Wirtschaftswissenschaft in abstrakten und unrealistischen Modellwelten verliert, statt auf die drängenden gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit (wie z.B. soziale und ökologische Krisen oder auch wiederkehrende Finanzcrashs und platzende Spekulationsblasen) Antworten zu geben.

Auch in Deutschland haben sich kritische Studierende und auch einige wenige kritische Lehrende zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das eine "Plurale Ökonomik" einfordert, also eine Wirtschaftswisschaft, die viele verschiedene Sichtweisen und Denkansätze zulässt, auch solche, die fundamentale Kritik an unserem gängigen Wirtschaftssystem üben. Nachstehend finden Sie einen kurzen Einführungsvortrag eines Mitglieds des Netzwerks "Plurale Ökonomik", in dem das Anliegen dieser Bewegung und die Kritik an der herrschenden wirtschaftswissenschaftlichen Lehre verständlich vorgestellt werden.

VIDEO: Plurale Ökonomik - Einführungsvortrag

22:37 Minuten, deutsch

00:00 Vorstellung, Einleitung, Motivation
02:00 Bestandsaufnahme der VWL
05:12 Probleme & Kritik am VWL-Mainstream
12:21 Die Vision einer Pluralen Ökonomik
16:42 Das Netzwerk für Plurale Ökonomik
19:56 Kurze Vorstellung von "Exploring Economics"

Homepage des Netzwerks: www.plurale-oekonomik.de

2) Reflexionen, Ideen und Ansätze kritischer Ökonomen und Sozialwissenschaftler 

Diejenigen Wirtschaftswissenschaftler, die sich entgegen der Lehrbuchökonomie kritisch gegen Wachstum und Gewinnstreben positionieren, sind rar gesäht. Hier finden Sie eine kleine Übersicht von Wissenschaftlern, die interessante Denkanstöße geben.

VIDEO: Niko Paech - Postwachstumsökonomie in 20 Minuten

23:37 Minuten, deutsch

Der Volkswirt Prof. Niko Paech erläutert bei der Premiere der Werkstatt Zukunft im Oldenburgischen Staatstheater am 8.1.2015 sein Konzept einer Wirtschaft, die den Bedürfnissen des Menschen dient und ohne Wachstum auskommt. Die Tonqualität ist in diesem Video nicht ideal, dafür finden Sie hier aber eine besonders kompakte und verständliche Zusammenfassung dessen, worum es in der "Postwachstumsökonomie" geht.

VIDEO: Wie viel Wachstum darf noch sein? Philosophischer Stammtisch (SRF)

59:16 Minuten, deutsch

Hier diskutiert Prof. Paech mit anderen Ökonomen und Philosophinnen über die Themen Wachstum und Verzicht, dabei vertreten die Teilnehmer teils kontroverse Positionen. Der Streit entbrennt vor allem um die Frage, ob Technik die ökologischen Probleme lösen kann und falls nicht, inwiefern eine Abkehr von einem materialistischen Lebensstil auf freiwilliger Basis erfolgen kann oder sogar politische Verbote rechtfertigt.

AUDIO: Prof. Silja Graupe zu alternativen politischen Ökonomien

87 Minuten, deutsch, mp3-Stream

https://www.youtube.com/watch?v=cbydd5BOl0o

Silja Graupe ist Professorin für Ökonomie und Philosophie, Präsidentin der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (https://www.cusanus-hochschule.de/) und Leiterein der Initiative "Wirtschaft von morgen" (https://wirtschaft-von-morgen.de/).

Sie gehört zu den führenden Kritikerinnen der Mainstream-Wirtschaftswissenschaft in Deutschland und plädiert für eine Neuausrichtung des ökonomischen Denkens. Dieser Podcast gibt einen ersten Einblick in das, was Silja Graupe am gegenwärtigen Zustand der Wirtschaftswissenschaften stört und welche Alternativen sie vorschlägt.

Weitere Interviews mit Prof. Graupe und Informationen zu ihrem Ansatz zukunftsorientierter Gesellschaftsforschung und -gestaltung finden Sie auf der Artikelseite "Zukunft denken und gestalten" in dieser Rubrik "Zusammenleben als Gesellschaft".

VIDEO: Vortrag von Prof. Tim Kasser - Revolution der Werte

80 Minuten, englisch

Prof. Tim Kasser war bis 2019 Professor für Psychologie am Knox College in Galensburg (Illinois/USA) und hat über hundert wissenschaftliche Abhandlungen zu den Themen Materialismus, Werte, Ziele und Lebensqualität veröffentlicht. In diesem Video beleuchtet er unseren materialistischen Lebensstil und mögliche Alternativen

VIDEO: Motivation bei der Arbeit und die Rolle des Lohnanreizes

10:47 Minuten, englisch

Karriereberater Dan Pink spricht in diesem animierten Video über wissenschaftliche Untersuchsergebnisse über Motivation. Oft wird angenommen, dass umso größer die Belohnung für eine erfolgreiche Bewältigung einer Aufgabe, umso besser wird auch die Leistung ausfallen. Es hat sich aber gezeigt, dass dies nur für rein mechanische Aufgabenstellungen zutrifft, sobald es bei der Aufgabe um kognitive Fähigkeiten geht und man logisch denken und Schlüsse ziehen muss, führt eine höhere Belohnung zu schlechteren Ergebnissen. Diese Studien wurden nicht von Sozialisten finanziert sondern von der US Notenbank Federal Reserve.

Prof. Bernd Senf - Die blinden Flecken der Ökonomie

Bernd Senf war von 1973 bis 2009 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin. Seit seiner Emeritierung ist er freischaffend tätig und teilt seine Kritik an der Mainstream-Lehre durch Vorträge und Workshops mit Interessierten. Er gilt als hervorragender Didaktiker und erklärt seine Ansichten sehr verständlich und ohne "Fachchinesisch".

Nachstehend finden Sie zwei Videos aus einer umfangreichen Vortragsreihe. Auf Youtube sind weitere Videos dieser Reihe verlinkt, die Sie sich bei Interesse gerne ansehen können.

VIDEO: Vortragsreihe mit Bernd Senf - Teil 4: Der Tanz um den Gewinn - Raubbau an Mensch und Natur

224 Minuten, deutsch

Zu Beginn ist hier der 4. Teil er Vortragsreihe verlinkt, weil Bernd Senf hier mit einigen biografischen Informationen beginnt, die helfen, seinen Hintergrund besser einzuordnen. Außerdem ist dieser Teil derjenige, der sich am allgemeinsten mit Wirtschaft befasst, die meisten anderen Videos befassen sich speziell mit dem Geldsystem und werden darum zum Teil in der Artikelseite Systemfehler - Teil 2: Geldschöpfung durch (verzinsten) Kredit präsentiert.

0:00:00 Biografisches zu Prof. Senf, Hinterfragen der Fassade der sozialen Marktwirtschaft
0:12:20 Anreizsysteme und Kennziffern der Wirtschaft, VWL-Studienreformen in den 70er Jahren
0:22:45 Wirtschaftswachstum und Auswirkungen auf andere Aspekte der Gesellschaft
0:32:10 Ökologische, gesellschaftliche und gesamtwirtschaftliche Ziele und Konflikte
0:54:00 Der Tanz um den Gewinn, die Macht des Marktes, kollektive Verdrängung
1:11:45 Gewinndefinition, Werbung in Medien und Internet, Forschungsfinanzierung
1:23:30 Gewinn = Erlöse - Kosten, Planwirtschaft und fehlende Motivation
1:42:30 Dezentralisierung, DDR-Überführung Planwirtschaft in Marktwirtschaft
1:59:25 Konfliktverdrängung & Systemerstarrung, alternativlose Marktwirtschaft
2:13:25 Westliche Marktwirtschaft, Kosten, Erlöse, Gewinn, Verlust, Konkurs
2:31:00 Kosten, Maschinen, Abschreibungen, Steuern und Gewinnverschleierung
3:01:00 Materialkosten, Resourcen der Natur, zerstörerische Tendenzen
3:18:20 Arbeitskosten, Löhne, Lohnnebenkosten, Rationalisierung
3:32:00 Finanzierungskosten, Kredite, Umverteilung, Tendenzen des Raubbaus
3:44:00 Ende des Vortrags

VIDEO: Vortragsreihe mit Bernd Senf - Teil 1: Die Blindheit der Ökonomie gegenüber dem Geld

187 Minuten, deutsch

Dieser erste Vortrag der Reihe ist ebenfalls recht grundsätzlicher Natur und geht auch auf die Grundlagen verschiedener Wirtschaftstheorien ein. Manche Bezugnahmen in der Einführung sind inzwischen nicht mehr aktuell, was aber für den weiteren Inhalt dieses Vortrags nicht so relevant ist.

0:00:00 Einführung, aktuelle Euro-Krise, Spezialrolle von USA und Dollar, Reaktionen
0:17:25 Wodurch entsteht Blindheit für Probleme des Geldsystems? Ausblendung von Annahmen
0:23:45 Adam Smith (1776) - geistiger Vater der Marktwirtschaft
0:28:35 - Geld als Tauschmittel, Wettbewerb durch Angebot und Nachfrage
0:37:00 - Die unsichtbare Hand des Marktes sorgt für Gleichgewicht, Preisbildung und Kosten
0:45:40 - Sozialprodukt, Grundrente, Gewinn, Zins, ein blinder Fleck bei A.Smith
1:00:20 Marx'sche Theorie, Ursprüngliche Akkumulation von Kapital, Bauern in der Zinsfalle
1:13:20 Österreichische Schule - Marktfundamentalismus, Kreuzzug der Globalisierung
1:19:30 Marx: Lohnarbeit, Mehrwert, Produktivkapital - Dialektische Einheit von Gegensätzen
1:28:50 Neo-Klassische Theorie: Rationale, vollbewusste Verbraucher - der Markt regelt alles
1:36:35 Wertschöpfung, Mikroökonomie als Wahnsystem mit Realitätsverlust, Ratingagenturen
1:49:40 Gold als Tauschmittel ohne Gebrauchswert, Papiergeld mit und ohne Golddeckung, Nixon
2:12:00 Wer regiert das Papiergeld? Private Zentralbanken und deren historische Entwicklung
2:19:40 Staats-Bürger, Staatsbankrott ist systemimmanent, Marx & Gesell, Sichtguthaben
2:32:55 Goldautomatismus, Zentralbankgründung & Verschleierung
2:42:30 Marx: Profit, Kapital, Zins, Grundrente, wachsende Schulden, Schuldenschnitt
2:51:55 Weitere blinde Flecken bei Marx, Verdrängung, spirituelle Blindheit
2:59:45 Synthese zwischen Marx und Gesell, Keynes & Begriffsblindheit, Monetarismus
3:06:58 Ende des Vortrags

Prof. Christian Kreiß - kritischer Blick auf ökonomische Entwicklungen

Prof. Christian Kreiß, geboren 1962, studierte Volkswirtschaftslehre und promovierte in Wirtschaftsgeschichte an der Uni München. Nachdem er 9 Jahre als Bankier tätig war - davon 7 Jahre als Investment Banker - wechselte er 2002 als Professor für Finanzierung und Wirtschaftspolitik an die Hochschule für Wirtschaft und Technik in Aalen.

Der folgende Vortrag von Prof. Kreiß über die damalige Wirtschafts- und Eurokrise wurde im Dezember 2011 an der Hochschule Aalen gehalten. Er enthält viele interessante Perpsktiven auf die Wirtschaft, die auch über den Kontext der damaligen Eurokrise hinaus noch relevant sein könnten.

VIDEO: Vortrag Prof. Kreiß - Steigende Ungleichheiten, Euro-Nebenwirkungen

122 Minuten, deutsch

0:00:00 Übersicht zum Inhalt des Vortrags
0:00:50 Säkulare Entwicklungen - Unnötige Arbeit, Werbung, falsche Optimierung
0:06:40 Wer zahlt an wen? Trends seit 1945, Vermögensverteilung, Zinseszins, billiges Geld
0:16:10 Auswirkungen der Ungleichverteilung und Zinsentwicklung
0:21:15 Überkapazitäten durch mit billigem Geld finanzierten Investionen
0:24:25 Krebsbildung in der Wirtschaft, Verschuldungszahlen aus aller Welt
0:29:30 Große Depression 1929-1932, US-Wirtschaftsmotor: Krieg
0:33:15 Probleme des Euro: Zinsanpassung, Inflation, Kapitalflüsse
0:38:00 "Deutschland war größter Nutznießer des Euros" ist die Unwahrheit
0:40:45 Wettbewerbsfähigkeitsprobleme der Südländer
0:43:35 "Nuclear Option" - Kettenreaktions-Kollaps der Eurozone, Unruhen & Gewalt
0:47:55 Regionale Konflikte, Bürgerkriege, Strategischer Plan: Geplantes Chaos?
0:52:10 Desinformationspolitik - Warum schweigen die Mainstream-Medien?
0:54:10 Rettung durch das Internet? Frisierte Wahrheiten, gekaufte Politik
0:56:50 Geistige Hintergründe - Wer profitiert von Krisen?
1:02:00 Mephisto-Prinzip - 6 perfide Maßnahmen
1:06:30 Wege aus der Krise - Die Wende zum Guten ist möglich
1:07:35 Lösungsvorschläge (finanzielle, gesellschaftliche, individuelle)
1:14:15 Konsumverhalten ändern, Geldverständnis verbessern: "Geld arbeitet nicht"
1:16:00 Anspruchsdenken - Vernachlässigung der Pflichten - Bewusstmachung
1:17:40 Wir brauchen ein anderes Denken, die Krise als Chance nutzen

Anmerkung: Die Hochschule Aalen hat Mitte März 2012 die Originalfassung dieses Vortrags von ihrem Youtube-Kanal entfernt und durch eine um zwei Minuten verkürze Fassung ersetzt. In dem entfernten zweiminütigen Segment sprach Prof. Kreiß über seinen Eindruck bezüglich einiger Unstimmigkeiten des 11. Septembers 2001 und über sein Zusammentreffen mit einem Versicherungsexperten für Flugzeugunglücke mit 31 Jahren Berufserfahrung, der ihm über seine Recherchen zum Versicherungsfall der World Trade Center Türme und der von ihm dabei entdeckten Unstimmigkeiten berichtet hat. Mehr zu 9/11 und allgemein zum gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema "Verschwörungstheorien" finden Sie auf der Artikelseite "Verschwörungstheorien - Plädoyer für Differenzierung"

VIDEO: Zeitgeist - Moving Forward

161 Minuten, deutsch

Am 15. Januar 2011 wurde der Film "Zeitgeist Moving Forward" in insgesamt 60 Ländern in die Kinos gebracht: 31 Sprachen, 295 Städte und 341 Aufführungen. Es war die bis dato  größte weltweite Filmpremiere eines unabhängigen Dokumentarfilms der Kinogeschichte. Dieser Film ist ein nicht-kommerzielles Produkt und wurde am 26. Januar 2011 im Internet kostenlos zu Verfügung gestellt. Es darf kopiert und verbreitet werden, solange dies unentgeltlich erfolgt.

Dieser Dokumentarfilm beginnt damit, menschliche Wesenzüge zu untersuchen und zeigt auf, wie Kindheitserinnerungen und das soziale Umfeld uns beeinflussen. Er analysiert dann soziale Pathologien: Da Abstraktionen wie das Bruttoinlandsprodukt zum Erfolgsmaßstab des Wirtschaftssystems wurden, sind mehr kranke Menschen gut fürs System. Jedes Konsumprodukt muss so beschaffen sein, dass es zeitnah kaputt geht oder als überholt gilt, um den Konsumzyklus am Laufen zu halten.

Ob der in diesem Film vorgeschlagene Lösungsweg sinnvoll und praktikabel ist, darf natürlich bezweifelt werden. Zumindest bietet er interessante Denkanstöße.

3) Weiterführende Informationen und Buchtipps