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Manipulation als Mittel der Macht


Theoretisch geht in einer Demokratie alle Macht vom Volke aus. Das ist ein Nachteil für elitär denkende, nach Macht und Kontrolle strebende Personen. Sie nutzen darum "weiche" Herrschaftstechniken, um ihren Willen durchzusetzen.


Inhaltsübersicht:

  1. Demokratie als Fassade - Strukturen und Techniken elitärer Machtausübung: Hier erfahren Sie, warum zwar das Volk formal alle Macht hat, faktisch aber elitäre Gruppen großen Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei werden keine Verschwörungstheorien bemüht, sondern historisch nachweisbare Entwicklungen (wie z.B. die Erfindung und Anwendung professioneller Propaganda durch Edward Bernays u.a.) sowie überprüfbare Tatsachen (wie z.B. Lobbyismus, Medienmacht und die Existenz elitärer Clubs).
  2. Manipulationseffekte durch Medien: Ein Aspekt der im ersten Kapitel beschriebenen Techniken der "weichen" Machtausübung in Demokratien besteht in der Manipulation mittels moderner Massenmedien. Hierzu finden Sie in diesem zweiten Kapitel einige tiefergehende Beiträge.
  3. Weitere kritische Reflexionen zu modernen Demokratien: Finden Sie abschließend einige weitere interessante Beiträge und kritische Überlegungen
  4. Weiterführende Informationen und Buchtipps

1) Demokratie als Fassade - Strukturen und Techniken elitärer Machtausübung


1.1 Die Struktur moderner Demokratien: Wie mächtige Akteure Einfluss nehmen können


Das obige Modell sieht etwas komplex aus, trotzdem kommt es der Realität bei weitem noch nicht nahe genug und vereinfacht sehr stark. Es unterscheidet z.B. nicht zwischen Regierung und Opposition, zwischen Exekutive und Legislative und differenziert verschiedene Gruppen nur sehr grob. Dennoch kann es für den Einstieg helfen, verständlich zu machen, warum das gewöhnliche Volk allenfalls durch Wahlen und das Engagement in sozialen Bewegungen politischen Einfluss ausüben kann, während reiche Eliten noch einige andere Möglichkeiten haben, auf die Politik einzuwirken:

Wahlkampfspenden und Lobbyismus gehören zu den bekanntesten Einflussmöglichkeiten und bedürfen wohl keiner weiteren Erklärung. Auch dass man durch Medienmacht, also den Besitz von Zeitungsverlagen und Fernsehsendern einen gewissen Einfluss auf die Meinungsbildung der Bevölkerung nehmen kann, ist hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist hingegen die Existenz elitärer Clubs, in denen Führungskräfte aus Wirtschaft, Finanzwelt, Politik und anderen Bereichen (manchmal Medien, Militär oder Geheimdienste) regelmäßig zusammentreffen. 

Beispiele hierfür sind die seit 1954 stattfindenden “Bilderberg-Konferenzen" oder die informellen Gespräche am Rande des jährlichen “Weltwirtschafts-forums” im Schweizer Ort Davos. Weil die Bürger und die Presse von diesen mehrtägigen Sitzungen ausgeschlossen sind, weiß niemand so richtig, welche politischen Ideen hier besprochen werden und welchen konkreten Einfluss die dort getroffenen Absprachen auf uns haben. Naive Verschwörungstheoretiker stricken hieraus gerne die Erzählung, dass sich hier eine Art geheime Weltregierung verabrede, um sich auf eine globale Machtagenda zu verständigen. Hierfür gibt es freilich keinerlei Beweise und das scheint auch nicht wirklich plausibel. Umgekehrt wäre es natürlich auch naiv davon auszugehen, dass die Teilnehmer dieser Treffen nur übers Wetter reden. Aufgrund der hohen Intransparenz dieser Treffen kann man letztlich nur spekulieren, ob und inwiefern von solchen Treffen ein Impakt auf nationale oder internationale politische Entscheidungsprozesse ausgeht.

VIDEO: Kulturzeit zum Bilderbergtreffen 2011 (3SAT)

2:51 Minuten, deutsch

Fast nie werden elitäre Clubs wie die Bilderberger öffentlich thematisiert - was sicherlich auch daran liegt, dass die Organisatoren fast nichts nach außen kommunizieren und alles dafür tun, um ungestört zu bleiben. Dass dies nicht immer zur Gänze gelingt, zeigt dieser seltene Beitrag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aus dem Jahre 2011.

VIDEO: Was machte von der Leyen bei der Bilderberg-Konferenz?

1:26 Minuten, deutsch

Tilo Jung vom Youtube-Kanal "Jung&Naiv" und eine weitere Journalistin wollten auf dieser Pressekonferenz nähere Informationen zur Teilnahme der damamigen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen an einer Bilderberg-Konferenz erhalten. Die Antwort verdeutlicht das hohe Maß an Intransparenz, das mit diesen Treffen einhergeht...

Es gibt darüber hinaus noch viele weitere interessante Beispiele für elitäre Clubs und Verbindungen, etwa die sagenumwobene Studentenvereinigung "Skull and Bones", der mehrere US-Präsidenten angehörten, sowie der Think Tank "Council on foreign Relations". Auch hier gilt natürlich, dass aufgrund der vorherrschenden Intransparenz nur spekuliert werden kann, ob und wenn ja welchen Einfluss diese Clubs auf konkrete politische Entscheidungsprozesse nehmen. Von nicht überprüfbaren Verschwörungstheorien wollen wir uns distanzieren, jedoch halten wir es ebenso für naiv, diesen Clubs jegliche politische Bedeutung abzusprechen und sie als reine Privattreffen abzutun. Hier eine kleine Liste mit Links zum Nachforschen:

  • Atlantik-Brücke: Diese Organisation vereint 500 führende Persönlichkeiten aus Bank- und Finanzwesen, Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft aus Deutschland und den USA. Die Atlantik-Brücke fungiert als Netzwerk und privates Politikberatungsinstitut: https://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Br%C3%BCcke 
  • Council on foreign Relations (CFR): Der Council on Foreign Relations (Rat für auswärtige Beziehungen) ist eine private US-amerikanische Denkfabrik mit Fokus auf außenpolitische Themen. Die Gesellschaft wurde 1921 vom Diplomat und Politiker Edward M. House, den Bankiers Paul M. Warburg und Otto Hermann Kahn sowie dem damals einflussreichsten Journalisten der USA und bekennendem Vertreter einer Elitendemokratie, Walter Lippmann, initiiert und zusammen mit weiteren Unternehmern, Bankiers und hochrangigen Politikern gegründet. Schon mehrere US-Präsidenten gehörten dieser privaten Organisation an: https://de.wikipedia.org/wiki/Council_on_Foreign_Relations
  • Skull and Bones: Skull & Bones („Schädel und Knochen“) ist eine elitäre Studentenverbindung der Yale University. Aus ihr sind führende Vertreter in Politik und Wirtschaft hervorgegangen (u.a. drei US-Präsidenten), die einander laut Ordensregeln lebenslang verbunden bleiben und sich gegenseitig unterstützen. Mitgliederlisten sind nur bis 1970 öffentlich verfügbar. Wer nach 1970 dem Bund beigtreten ist, ist nicht bekannt: https://de.wikipedia.org/wiki/Skull_%26_Bones 
  • Trilaterale Kommission: Die Trilaterale Kommission ist eine von David Rockefeller gegründete private, politikberatende Denkfabrik. Sie umfasst ca. 400 höchst einflussreiche Mitglieder aus Europa, Nordamerika und Asien/Pazifik sowie einige ausgesuchte Vertreter außerhalb dieser Regionen. https://de.wikipedia.org/wiki/Trilaterale_Kommission
VIDEO: "Erwin Pelzig" über Goldman Sachs, Trilaterale Kommission, Weltbank, Atlantik-Brücke, CFR, EZB

9:21 Minuten, deutsch

Der Journalist und Kabarettist Frank-Markus Barwasser thematisierte 2012 in einer ZDF-Show in seiner Rolle als "Erwin Pelzig" Querverbindungen zwischen mächtigen Akteuren, hier ausgehend von der mächtigen US-Bank "Goldman Sachs". Wenngleich dies natürlich eine kabarettistische Annäherung ist und keine wissenschaftliche Untersuchung, bildet es doch einen unterhaltsamen Einstieg ins Thema. Die genannten Personen mögen in der Zwischenzeit nicht mehr aktuell sein, die Strukturen und Organisationen bestehen aber nach wie vor, ähnliche Querverbindungen lassen sich auch heute nachweisen.


1.2 Die Kunst der Meinungsmanipulation: Lippmann, Bernays und die Erfindung der Propaganda


Walter Lippmann

In den aufkommenden Massengesellschaften des frühen 20. Jahrhunderts sorgten sich führende gesellschaftliche Kräfte, dass eine ungebildete und irrationale Masse im Rahmen einer Dekokratie nur schwer zu regieren sei und dass es infolge demokratischer Mitbestimmung der Massen zu aus ihrer Sicht unerwünschten politischen Entwicklungen kommen könnte.

Sie propagierten darum das Konzept der Elitendemokratie: Die Eliten eines Landes müssten das unvernünftige Volk lenken, um Chaos und irrationale Entscheidungen - zu verhindern. Beispielhaft für diese Ansicht steht der Mitbegründer des CFR und damals einflussreichste Journalist der USA, Walter Lippmann, der diesen Standpunkt in seinem Buch "Die öffentliche Meinung" darlegte (siehe Abschnitt 4: Weiterführende Informationen und Buchtipps).

Edward Bernays

Um dieses Ziel zu erreichen, stützten sich die damaligen Eliten auf die Pionierarbeit von Edward Bernays, einen Neffen Sigmund Freuds. Bernays nutzte die psychologischen Forschungsergebnisse seines Onkels, um Manipulationstechniken zu entwickeln, mit denen man den Willen des Volkes so lenken konnte, wie die Eliten es wünschten. Er nannte diese Techniken "Propaganda" und veröffentliche ein gleichnamiges Buch darüber (siehe Abschnitt 4: Weiterführende Informationen und Buchtipps). Ein gewisser Joseph Göbbels konnte sich später für dieses Buch begeistern - mit den bekannten Folgen für den weiteren Verlauf der Geschichte.

Weil der Begriff "Propaganda" nach dem zweiten Weltkrieg äußerst negativ besetzt war, nutzten Eliten die gleichen Techniken fortan unter anderen Begriffen weiter: "Public Relations" oder einfach "Werbung".

VIDEO: Edward Bernays: Zigaretten, Bananen und die CIA (ARTE)

19:51 Minuten, deutsch

Dies ist ein Ausschnitt aus der ARTE-Doku: "Über Bananen und Republiken" aus dem Jahr 2017. Er zeigt am historischen Beispiel der "United Fruit Company" die Verbindung wirtschaftlicher Macht zur Politik und welche Rolle Edward Bernays dabei spielte.

VIDEO: Edward Bernays: Vorbild aller Spin-Doktoren (ARTE)

6:12 Minuten, deutsch

Ein weiterer kurzer ARTE-Ausschnitt, der den großen Einfluss Bernays auf die Weltgeschichte und die Ausgestaltung unserer Demokratien verdeutlicht.

VIDEO: Brutkastenlüge als jüngeres Beispiel für professionelle PR (ARD)

1:49 Minuten, deutsch

Dass Propaganda nicht nur in den 1920er Jahren oder im Kalten Krieg stattfand, beweist dieses besondere Ereignis von 1990. Da es aufflog, wissen wir davon. Ausschließen, das Ähnliches auch heute stattfindet, ohne dass es auffliegt, können wir nicht.

VIDEO: Psywar - Das wirkliche Schlachtfeld ist der Verstand

99 Minuten, englisch

Dieser englisch-sprachige Dokumentarfilm zeigt ausführlich, wie Propaganda/PR zu einem machtvollen Werkzeug westlicher Demokratien geworden sind. Mehrere Medien-Experten werden zu ihren Ansichten interviewt.


1.3 Vorträge von Prof. Mausfeld zum Thema "weiche" Herrschaftstechniken


VIDEO: Prof. Rainer Mausfeld – Warum schweigen die Lämmer?

87 Minuten, deutsch

Prof. Rainer Mausfeld studierte Psychologie, Mathematik und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie Mathematische Psychologie an der Universität Nijmegen. Nach seiner Promotion im Jahr 1984 war er Gastprofessor an der University of California, Irvine. 1990 habilitierte Mausfeld an der Universität Bonn und wurde 1993 Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Kiel.

In diesem Vortrag spricht er schwerpunktmäßig über den gezielten Einsatz von Angst als Mittel der Herrschaft.

VIDEO: Prof. Rainer Mausfeld - Die Angst der Machteliten vor dem Volk

99 Minuten, deutsch

Von dem Kanal, der dieses Video veröffentlicht hat, möchten wir uns als unabhängige Plattform abgrenzen, das schmälert aber nicht den Wert der Überlegungen an sich, die Prof. Maus in diesem Vortrag anstellt:

0:00:25 Die Beliebtheit der Metapher der Lämmer
0:03:55 Was macht Demokratie so attraktiv? Perspektive "von oben" und "von unten"
0:06:40 Die Illusion von Demokratie als Lösung, demokratische Agenda als Legitimationshülle
0:10:20 Einige Umfrageergebnisse zur Demokratiewahrnehmung
0:13:25 Revolte der Eliten gegen das ignorante Volk
0:14:50 Historische Betrachtung: Ziele der Herrschenden, psychische und physische Machtausübung
0:18:05 Herrschaftstechniken: hard power, soft power
0:21:40 Elitenwissen über die Psyche des Volks, Entscheidungsverhalten
0:24:15 Rahmenerzählung zur Sinngebung, Idiologische Definitionen von "Elite" und "Volk"
0:29:35 Friedrich II: Ist es nützlich das Volk zu belügen?
0:32:30 Ziel der Meinungsmanipulation: Die Fähigkeit zur Ausbildung von Überzeugungen abbauen
0:37:00 Affektive Mentalvergiftung (Ablenkziele, Hass, Konsumismus, Ängste blockieren das Denken)
0:39:05 Kognitive Mentalvergiftung (Orwell'sche Falschwörter, Wortaberglauben, Denunziationsbegriffe)
0:43:40 Bedeutungsspektrum des Begriffs Antiamerikanismus
0:45:50 Bedeutungsspektrum des Begriffs Exeptionalismus
0:50:45 Bedeutungsspektrum des Begriffs Populismus
0:55:15 Meinungsmanipulation: Aktualindoktrination (Propaganda vs. Nachrichten)
0:58:25 Meinungsmanipulation: Tiefenindoktrination (Schulen, Medien)
1:00:45 Die Idee des "benevolenten Imperiums" - USA / Römisches Reich
1:18:15 Die Idee der "repräsentativen Demokratie" und Alternativen dazu
1:31:30 Neoliberalismus, Faschismus, 1789
1:35:20 Errungenschaften der Aufklärung, Gegenaufklärung, Erfolge der Tiefenindoktrination 

2) Manipulationseffekte durch (neue) Medien

Ein Aspekt der im ersten Kapitel beschriebenen Techniken der "weichen" Machtausübung in Demokratiene besteht in der Medienmanipulation. Finden Sie hierzu nun einige tiefergehende Informationen mit Schwerpunkt "neue Medien" (Internet/Social Media).

VIDEO: The Social Dilemma (Filmtrailer)

2:34 Minuten, englisch

Diese sehenswerte Netflix-Doku (dort auch in deutsch verfügbar) kritisiert die unmoralischen Absichten der großen Internetkonzerne wie Google und Facebook sowie die negativen Auswirkungen der Nutzung ihrer Social-Media-Dienste.

Thematisiert werden die bewusst provozierte Internet- und Social-Media-Sucht (durch ständige, gezielte Benachrichtigungen, Empfehlungsalgorythmen etc.), das Schüren von Ängsten, Depressionen, das Polarisieren der Gesellschaft durch den Filterblasen-Effekt und die rasante Verbreitung von Fake News u.v.m.

Die Doku ist zugegebenermaßen etwas zugespitzt und dystopisch statt differenziert, eignet sich aber hervorragend, um die manipulativen Techniken darzustellen, mit denen die großen Tech-Konzerne unsere Bildschirmzeit maximieren wollen, um durch Werbeeinnahmen ihre Gewinne zu steigern.

VIDEO: Nick Davies - Fließband-Journalismus und Medien-Propaganda 

55:14 Minuten, deutsch

Nick Davies arbeitet seit 1976 als Journalist und Freelancer, unter anderem für die britische Zeitung The Guardian, außerdem produziert er Dokumentarfilme und hat mehrere Bücher geschrieben. Für seine Arbeit als investigativer Journalist hat er bereits mehrere Auszeichnungen erhalten, unter anderem "Journalist des Jahres", "Reporter des Jahres" und "Feuilletonist des Jahres". Nick hält auch Vorlesungen über Techniken des investigativen Journalismus. Im November 2009 erhielt er für seine Verdienste im Journalismus von der Universität von Westminster ein Ehrenstipendiat.

Nick's Webseite: http://www.nickdavies.net

In diesem Vortrag von 2012 spricht Nick über seine Ansichten und Einsichten nach zu dieser Zeit über 35 Jahren Erfahrung als investigativer Journalist. Dabei geht er auf den Interessenkonflikt zwischen wahrer Berichterstattung und der profit-orientieren Agenda der Konzernführung ein, welche die Zeitung besitzt. Nick kritisiert die im Fließband-Journalismus übliche Arbeitsweise und erklärt, wieso objektive Berichterstattung gar nicht möglich ist und wieso die Regel "stets beide Seiten zu Wort kommen zu lassen" oft nicht zur Wahrheit sondern eher zur Verwirrung beiträgt.

Ein interessanter und zugleich unterhaltsamer Vortrag, nicht nur für Journalisten, sondern auch für Menschen, die mal die Welt der Presse durch die Augen eines langjährigen Journalisten sehen wollen.

0:00:10 Investigative Berichterstattung, Aussprechen von Wahrheit, Konzerninteressen
0:02:30 3 goldene Regeln des Journalismus, Konsum anderer Medienquellen, Zitate
0:05:55 Konsens-Sichtweise der Welt, rebellische Journalisten
0:07:15 Forderung nach Objektivität, Auswahlkriterien, Themenauswahl
0:12:35 Perspektive der Berichterstattung, Pseudo-Objektivität
0:15:40 PR-Agenturen, Medienmanipulation durch selektive Wahrheiten
0:21:30 Propagenda-Industrie, Einschleusen von US-Regierungs-Propaganda in England
0:24:50 Pseudo-Aktivistenbewegungen der PR-Industrie
0:26:35 Beispiel: Golfkriegs-Propaganda
0:30:25 Beispiel: US-Angriff auf Fallujah im November 2004
0:32:25 Logistische Dringlichkeiten, Ninja Turtle Syndrom
0:34:30 Beispiel: Angebliche Sex-Affaire von Prinz Charles
0:37:00 Moralische Panik & vorbestimmte Blickwinkel
0:40:30 Billige Stories, immer weniger wahrheitsgetreue Berichterstattung
0:43:20 Die Problematik der "beide Seiten zu Wort kommen lassen"-Regel
0:47:10 Beispiel: UNO-Waffeninspektor Scott Ritter
0:49:40 Frage zu zukünftigen Finanzierungsmodellen für Nachrichten
0:53:50 Frage zu alternativen Bloggern versus Mainstream-Medien

VIDEO: Kann nicht sein, was nicht sein darf?! Doku mit zahlreichen Experten

98 Minuten, deutsch

Der Dokumentarfilm "Kann nicht sein was nicht sein darf!?" entstand im Rahmen einer Diplomarbeit des Machers Stefan Enderle. In seinem gleichnamigen Blog beobachtet er schon seit längerem kritisch die Medienszene. Er schaffte es, mehrere kompetente Ansprechpartner aus dem Bereich Medien für diesen Dokumentarfilm vor die Kamera zu bekommen, u.a. Prof. Dr. Siegfried Weischenberg (Professor für Journalistik und Kommunikationswissenschaft) und Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger (Professor für Empirische Kommunikationsforschung)

Themen der Doku sind unsere Medienlandschaft, deren Drahtzieher und die verschiedenen Einflüsse, die zu dem führen, was wir Nachrichten nennen. Der Film ist schon etwas älter (2009), seine Grundaussagen sind aber immer noch aktuell, wenngleich sie sich eher auf alte Medien (Presse, TV) beziehen.

VIDEO: The Art of Deception - über vermeintliche Wahrheiten in Doku-Filmen

28:18 Minuten, englisch

In diesem Film setzt sich Regisseur Randall Evans mit mehreren Dokumentarfilmen wie z.B. Al Gore's "Eine unbequeme Wahrheit", dem ersten "Zeitgeist"-Film sowie "Kony 2012" auseinander. Wie sind diese Filme aufgebaut, um "Wahrheiten" zu vermitteln? Welche Methoden kommen in ihnen zum Einsatz, um Botschaften zu transportieren? Eine wissenschaftliche Veröffentlichung muss detailierte Quellenverweise beinhalten, aber diese Regeln gelten nicht für Dokumentarfilme. Speziell in Zeiten von Youtube kann jeder seine eigene Version der Wahrheit als Film veröffentlichen.

Dieser 28-minütige Dokumentarfilm untersucht die "Kunst der Täuschung" aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie sollten sich diesen Film wirklich bis zum Ende anschauen, denn am Ende des Films werden Sie auf einige Aspekte bezüglich dessen, was Sie gerade gesehen haben, aufmerksam gemacht, die sie vielleicht vorher nicht wahrgenommen hatten. Um die Brillianz dieses Films zu erfassen, muss man ihn vielleicht ein zweites Mal anschauen, um das, was man durch den Film gelernt hat, auf den Film selbst anzuwenden. Ein echt interessantes Filmexperiment...

01:10 Lektion 1: Dokumentarfilme können über ein vorher festgelegtes Drehbuch verfügen
03:20 Lektion 2: Angst
07:10 Lektion 3: Beweise ohne Quellenangaben
14:30 Lektion 4: Die Augen erfreuen, während man Lügen erzählt
18:15 Lektion 5: Wahrheiten werden nicht durch Mehrheitsmeinungen festgelegt
23:20 Lektion 6: Am Ende wird die Agenda enthüllt

3) Weitere kritische Reflexionen zu modernen Demokratien


3.1 Verdrängungsmechanismen und Politik


Der folgende Artikel basiert zum Teil auf einer englisch-sprachigen Veröffentlichung von Eileen Zurbriggen vom Fachbereich Psychologie der Universität von Kalifornien (https://spssi.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1530-2415.2005.00064.x). In diesem Artikel geht es um die Frage, warum das Volk in Demokratien regelmäßig Politiker wiederwählt, die nachweislich gelogen und betrogen haben. Der Artikel wurde 2005 vor dem Hintergrund der US-Wahlen von 2004 verfasst, ist in seinen psychologischen Kernaussagen aber immer noch wertvoll, um entsprechende Handlungen in der heutigen Zeit zu deuten. 
Wissenschaftliche Studien bezüglich der U.S. Präsidentschaftswahl im Jahr 2004 zeigten, dass die Mehrheit der Menschen, die von sich behaupten, besonderen Wert auf die Ehrlichkeit von Politikern zu legen, für George Bush gestimmt haben, obwohl kurz zuvor die Täuschung der Bevölkerung durch die Bush Regierung bezüglich der Kriegsgründe für den Einmarsch in den Irak öffentlich gemacht wurde (Anmerkung: Falls Sie sich mit dem historischen Kontext nicht auskennen, schauen sie die nachstehende eingebundene ZDF-Doku "Es begann mit einer Lüge aus dem Jahr 2013 an"). Wie konnte dies geschehen?

VIDEO: Es begann mit einer Lüge - Der Krieg im Irak (ZDF/BBC 2013)

42:20 Minuten, deutsch

10 Jahre nach dem Beginn des Krieges der USA gegen den Irak im Jahr 2003 will die Dokumentation „Es begann mit einer Lüge – Deutschland und der Irak-Krieg“ den Ereignissen im Vorfeld nachgehen. Welche Gründe gab es für die offensichtlichen Unwahrheiten? Warum lehnte es die damalige Bundesregierung unter Schröder/Fischer ab, sich an dem Krieg gegen den Irak zu beteiligen?

Die Dokumentation in Zusammenarbeit mit der BBC zeigt u.a., wie die Aussagen eines einzigen Informanten von der Weltmacht USA genutzt wurde, um einen umstrittenen Krieg zu führen. Im Mittelpunkt steht ein langes, exklusives Fernsehinterview mit dem Informanten Curveball. Anhand der Aussagen von damals Beteiligten wie Joschka Fischer, dem damaligen deutschen Botschafter bei der UN, Gunter Pleuger und ehemaligen CIA Mitarbeitern entsteht ein Bild darüber, wer wen benutzt hat, um den Einmarsch in den Irak zu rechtfertigen.

Traumaforschung zu Verrat und Täuschung

Untersuchungen von Menschen, die traumatische Missbrauchserlebnisse hatten, zeigen, dass sie alle an Gedächtnisverlust litten. Der Gedächtnisverlust war besonders hoch, wenn die missbrauchende Person ein Familienmitglied war, zu dem sich das Opfer in einem Abhängigkeitsverhältnis befand. Dieser Zusammenhang lässt sich besser verstehen, wenn man die zugrunde liegenden psychologischen Prozesse betrachtet: Jeder Mensch verfügt über einen natürlichen Warnmechanismus, der Alarm schlägt, wenn jemand versucht, uns zu manipulieren. Auf so eine Warnung reagieren wir in der Regel mit Zurückweisung und Wut bezüglich des Manipulators. Diese Reaktion funktioniert aber nicht, wenn der Manipulator eine Person ist, zu der man sich in einem Abhängigkeitsverhältnis befindet. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Kind durch ein Elternteil missbraucht wird. In diesem Fall kann eine als manipulativ empfundene Handlung partiell verdrängt und neu bewertet werden, so dass sie dann nicht mehr als manipulativ empfunden wird. Alternativ kann sie auch völlig verdrängt werden, wodurch dann Gedächtnisverlust entsteht. Dieselben Mechanismen können auch in einer Beziehung zwischen Erwachsenen zum Einsatz kommen, wenn z.B. eine Ehefrau missbrauchende Handlungen ihres Ehemanns verdrängt, weil sie finanziell von ihm abhängig ist.

Die U.S. Präsidentschaftswahl im Jahr 2004

Die Handlungen des U.S. Präsidenten haben erheblichen Einfluss auf das Leben jedes U.S. Bürgers, somit besteht zwischen Volk und Präsident auch ein Abhängigkeitsverhältnis. Das Ausmaß der Abhängigkeit ist für jeden Bürger verschieden. Fundamentalistische Christen zum Beispiel sehen den Präsidenten als den Beschützer ihrer moralischen Werte. Ein Mensch, der völlig mit seinen Werten identifiziert ist, empfindet jeden Angriff auf diese Werte als persönlichen Angriff. Da sich viele Menschen als zu machtlos empfinden, um ihre Werte selbst zu verteidigen, brauchen sie eine Person mit der sie sich identifizieren können und die diese Werte für sie verteidigt: Den Präsidenten

Sobald diese Abhängigkeitsverbindung hergestellt ist, ist das Fundament für die Verdrängung von Verrat und Täuschung gelegt. Somit wird es schwierig für die betroffenen Menschen, Lügen oder Täuschung wahrzunehmen, wenn sie geäußert werden oder sich zu einem späteren Zeitpunkt daran zu erinnern. Dies zeigte sich besonders deutlich bei der US Präsidentschaftswahl im Jahr 2004: Dort wurde bei Umfragen festgestellt, dass speziell Wähler, die besonderen Wert auf Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit legen, für Bush gestimmt haben, obwohl nur Wochen vorher die Bush-Regierung der Lüge und Täuschung bezüglich der Kriegsgründe für den Irak-Krieg überführt wurde.

Manipulation durch Orwellsche Rhetorik

Die Bush-Administration war besonders gut darin, Orwellsche Rhetorik einzusetzen, um die eigene Bevölkerung zu täuschen: So wurden z.B. die Namen für Richtlinien so gewählt, dass sie auf den ersten Blick gut klingen. Dabei verlässt sich die Regierung auf die Ignoranz der Bevölkerung, gar nicht so genau wissen zu wollen, was sich wirklich hinter der Richtlinie verbirgt. Zwei Beispiele: Die "Healthy Forest Initiative" (Gesunder Wald Initiative) war in Wirklichkeit ein Plan, die Anzahl zu fällender Bäume zu erhöhen. Die "Clear Skies Initiative" (Sauberer Himmel Inititative) diente dazu, die Grenzwerte für Luftverschmutzung zu erhöhen. Sogar die Zeitung Washington Post griff diese Manipulationstaktik auf und schrieb im Jahr 2005: "Fast immer kann man davon ausgehen, dass die Maßnahme das genaue Gegenteil von dem anstrebt, was ihr Name vorgibt".

Ein Blick in die Zukunft

Ergebnisse von Studien deuten darauf hin, dass die Fähigkeit der Bevölkerung, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden abnimmt, umso gefährlicher die Bevölkerung die Lage der Welt einschätzt. Gefühle von Unsicherheit breiten sich speziell in Zeiten wirtschaftlicher Krisen rasant aus und die Abhängigkeit von Sozialleistungen der Regierung nimmt zu. Dadurch nimmt die Zahl der Menschen ab, die noch in der Lage sind, die Lügen der Regierung als solche zu erkennen.

Solange sich Politiker darauf verlassen können, dass eine Kombination aus Ignoranz und Blindheit die Bevölkerung am Erkennen der systemischen Verlogenheit hindert, wird das Spiel wohl so weiter gehen. Erst wenn die Stabilitätsgrenze des Systems aufgrund von zu viel Verlogenheit erreicht ist, wird könnte es eine Wende geben. Zu diesem Zeitpunkt dürften dann relativ viele Menschen plötzlich erkennen, wie sie belogen wurden. Aus Traumastudien zu Verrat und Täuschung weiß man, dass sich die Wahrnehmung des Opfers sehr schnell ändert, wenn das Abhängigkeitsverhältnis unterbrochen wird - z.B. weil der Manipulator nicht länger für das Opfer sorgen kann. In diesem Moment kann in sehr kurzer Zeit die Fähigkeit zurückerlangt werden, Lügen und Täuschung als solche zu erkennen.

Solch eine rasante Veränderung könnte einerseits wie ein destabilisierender Schock wirken, sie könnte aber bewirken,  dass einige Menschen durch diese Erfahrung ein feineres Gespür für Lügen und Täuschung durch Autoritätspersonen entwickeln werden. Wenn diese Menschen dann wirklich ehrlich mit sich selbst sind, werden sie vielleicht sogar zugeben können, dass sie akzeptiert haben, belogen zu werden, um sich nicht mit den ganzen furchteinflößenden Aspekten unserer Realität auseinandersetzen zu müssen. Aspekte, die eine Reflektion des kollektiven Zustands der Menschheit sind. Aspekte, die wir haben geschehen lassen, ohne offen Kritik an ihnen zu üben. Aspekte, die wir gemeinsam als "normal" definiert haben, aber die in Wirklichkeit unmenschlich sind und uns allen schaden. Diese Aspekte werden sich ändern müssen, genauso wie sich die Menschheit ändern muss, denn beide sind untrennbar miteinander verwoben.


3.2 Abschließende Gedanken aus der Grundsatzperspektive


AUDIO: Audio-Book eines Anarchisten

614 Minuten, englisch, mp3-Stream

https://www.youtube.com/watch?v=Y460qLK0-ZA

Larken Rose ist ein anarchistischer Denker und Aktivist aus den USA und Autor mehrerer Bücher. Anarchisten gehen soweit, die Legitimität von Herrschaft überhaupt in Frage zu stellen und sie lehnen jegliche staatliche Strukturen ab. Stattdessen sezten sie auf maximale Freiheit, Freiwilligkeit und Selbstorganisation.

Ob dieser radikale Gedanke einen praktikablen Ausweg aus unseren aktuellen gesellschaftlichen Problemen darstellt, darf wohl stark bezweifelt werden. Aus philosophischer Sicht liefert dieser Ansatz dennoch viele streitbare Anregungen und läd zur grundlegenden Reflexion darüber ein, wie wir als Menschheit auf dieser Erde eigentlich miteinander leben wollen.

Wer dieser Reflexion lieber in deutscher Sprache folgen will, kann die deutsche Übersetzung in Buchform beziehen. Sie ist im folgenden Abschnitt 4 verlinkt: Weiterführende Informationen und Buchtipps

VIDEO: Arundhati Roy - Come September Rede von 2002

44:16 Minuten, englisch

Mit ihrem Roman "Gott der kleinen Dinge" schaffte die indische Autorin Arundhati Roy um die Jahrtausendwende den internationalen Durchbruch. Sie nutzte fortan ihre Popularität, um als politische Aktivistin in zahlreichen Reden grundsätzliche Gesellschaftskritik zu üben. Eine dieser Reden ist diese gefeierte Rede bei der Lannan Gesellschaft im September 2002. Darin spricht Arundhati Roy über die Macht der USA, den Krieg gegen der Terror, Globalisierung, den Missbrauch des Begriffs Nationalismus und die zunehmende Ungleichheit zwischen Arm und Reich. Mit Lyrik und Leidenschaft kombiniert sie ihre schriftstellerischen Talente mit umfassendem Sachverstand, um dadurch die globale Ungerechtigkeit bloßzustellen und ein hoffnungsvolles Bild für die Zukunft zu zeichnen.

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps