Neben einer neuen Generation von Philosophen findet der Idealismus im 21. Jahrhundert auch Anklang bei einigen Physikern und Computerpionieren. Lernen Sie hier die Prominentesten unter ihnen kennen.
Faggin studierte Physik an der Universität Padua in Italien und schloss 1965 mit Auszeichnung ab. In seiner frühen Karriere spezialisierte er sich auf Halbleitertechnik und integrierte Schaltungen, was ihn zu einem führenden Entwickler im Bereich Mikroprozessoren machte. Im Jahr 1971 entwickelte er den Intel 4004, den ersten kommerziellen Mikroprozessor der Welt, der die Grundlage unserer modernen Computertechnologie legte.
Nach dem Ende seiner mit vielen weiteren Erfindungen gespickten Karriere hat sich Federico Faggin vermehrt philosophischen Fragen gewidmet. Faggin vertritt eine Form von ontologischem Idealismus, d. h. er geht davon aus, dass Bewusstsein die grundlegende Realität ist, und dass die physische Welt eine Manifestation oder ein Ausdruck dieses Bewusstseins darstellt, nicht umgekehrt. Anders als im Materialismus ist das Gehirn oder die Materie nicht der Ursprung von Bewusstsein; vielmehr existieren geistige Prozesse unabhängig von physischer Substanz und unabhängig von Raum und Zeit.
Faggin betont, dass alle physische Wahrnehmung immer in einem geistigen Feld stattfindet. Er postuliert als Hintergrund für dieses Feld ein universelles Einheitsbewusstsein, aus dem unsere individuellen Erlebnisse wie Wellen oder Muster entstehen. Dieses Einheitsbewusstsein ist die gemeinsame Grundlage für alle Existenz.
Die physische Welt folgt demnach Regeln, die von jenem fundamentalen Bewusstsein „hervorgerufen“ bzw. geordnet werden. Quantenphänomene, die in der modernen Physik oft rätselhaft erscheinen, können dabei als Ausdruck der Bewusstseinsstruktur hinter dem Physischen interpretiert werden. Die Verschränkung von Quantenobjekten über riesige Distanzen hinweg könnte zum Beispiel darauf hindeuten, dass alle Elemente des physischen Universums im Hintergrund in einem gemeinsamen Bewusstseinsfeld verbunden sind. Auch das Interferenzmuster beim Doppelspaltexperiment lasse sich als ein Ausdruck des Potentials im universellen Bewusstsein verstehen: Die „Entscheidung“, wie sich das Elektron manifestiert, wird nicht etwa durch physische Mechanik, sondern durch die Einbindung in das bewusste Feld determiniert, nämlich immer dann, wenn eine Beobachtung (Messung) stattfindet bzw. eine Information vorliegt.
80 Minuten, englisch (automatische deutsche Untertitel in Youtube möglich)
Dieses Interview startet mit einer sehr persönlichen spirituellen Erfahrung, die Faggin im Jahr 1990 erlebt hat und die ihm den Anstoss für seine spätere philosophische Suche gab. Anschließend erläutert Faggin die Grundlagen seines idealistischen Modells.
97 Minuten, englisch (automatische deutsche Untertitel in Youtube möglich)
In diesem Folgeinterview vertieft und ergänzt Faggin die Ausführungen zu seinem Modell aus dem ersten Video.
Bildquelle: Wikimedia / Rebel Wisdom
Aus dieser Sicht wird auch der Tod in einem ganz neuen Licht betrachtet. Das individuelle Ich, das wir für uns selbst halten, ist nicht dauerhaft existierend, sondern ein zeitlich begrenzter Ausschnitt des universellen Bewusstseins. Wenn das Leben endet, hört nur diese egozentrische Perspektive auf – das Bewusstsein selbst, das dem Ich zugrunde liegt, verschwindet nicht. In gewisser Weise ist das Individuum unsterblich, da es immer Teil des universellen Bewusstseins bleibt.
Die Vorstellung, dass Materie aus sich selbst Bewusstsein hervorbringen könnte, hält er für ontologisch absurd. Materie existiert für ihn nur als Ausdruck des Bewusstseins; sie ist niemals die Ursache von Erfahrung oder Selbstwahrnehmung. Das „hard problem of consciousness“, also das Problem, wie Materie wahrnehmen, also fühlen, schmecken und Emotionen spüren kann, lässt sich aus Kastrups Sicht nur im Idealismus elegant lösen: Wenn Bewusstsein grundlegend und universell ist, dann muss es nicht erst aus der Materie heraus erklärt werden.
Kurz gesagt, Kastrups Philosophie dreht unsere alltägliche Vorstellung von Realität um: Wir sind keine isolierten Körper in einem materiellen Universum, sondern Teile eines alles durchdringenden Bewusstseins, das die physische Welt hervorbringt. Materie, Raum, Zeit und selbst unsere Ich-Perspektiven sind Momentaufnahmen innerhalb dieses großen Ganzen. Das universelle Bewusstsein ist die Bühne, auf der alles stattfindet, und wir alle sind nur vorübergehende Schauspieler mit einer einzigartigen Sicht auf das Stück, das wir "Leben" nennen.
Das „My“ in der Bezeichnung seiner Theorie will übrigens keinen Stolz und keine Selbstverliebtheit ausdrücken. Campbell verweist damit bloß auf den Umstand, dass seine Theorie nicht nur auf objektiver Wissenschaft und hierbei insbesondere auf der Interpratiation ungelöster Rätsel von Quantenphysik und Relativitätstheorie beruht, sondern zusätzlich explizit auch subjektive Bewusstseinserfahrungen zulässt, die sich einer objektiven Überprüfung von außen entziehen. Campbell lädt jeden seiner Leser dazu ein, durch regelmäßige Meditationspraxis eigene Bewusstseinserfahrungen zu machen, die dazu dienen können, die ein oder andere Kernaussage seiner Theorie zu überprüfen und sich im Falle eines Widerspruchs eine alternative Theorie zu erschaffen. Mit dieser Herangehensweise schafft Campbell ein neues Paradigma, in dem objektive Wissenschaft und subjektive, spirituelle Erfahrungen sich nicht ausschließen, sondern als komplementäre Zugänge zur Wirklichkeit begriffen werden.