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Rätselhafte Anomalien

Telekinese im Beisein von Wissenschaftlern (1/4)
Nina Kulagina


Wie verschiedene Wissenschaftler in den 1960er Jahren die mutmaßlichen telekinetischen Fähigkeiten der Russin Nina Kulagina prüften


1) Wer war Nina Kulagina?

Telekinese („Fernbewegung“) oder Psychokinese („Bewegung mittels Geist“) bezeichnet die Fähigkeit, Objekte auf Distanz und ohne mechanische beziehungsweise physische Einwirkung zu bewegen oder zu verformen. Solche „Wunder“ sind seit jeher überliefert, die Frage ist nur, ob sie echt sind oder ob sie bloß auf betrügerischen Tricks und Täuschungen basieren.

Ninel Kulagina (1926-1990, genannt „Nina“) war eine russische Hausfrau, die in den 1960er Jahren Berühmtheit erlangte, nachdem ihr verschiedene Wissenschaftler telekinetische Fähigkeiten bescheinigten. 

Ihre Fähigkeit zur Telekinese hat sie eigenen Angaben zufolge eher zufällig und versehentlich entdeckt, als sie eines Tages voller Wut ein Zimmer betrat. Ganz von allein sei dann in diesem Zimmer ein Krug vom Schrank heruntergefallen und zerbrochen. Später lernte sie, wie sie Objekte willentlich bewegen konnte. Das tat sie zwar ohne Wut, dennoch musste sie eine extreme körperliche Anspannung aufbringen, was sie auf Dauer sehr erschöpfte.

2) Untersuchungen von Wissenschaftlern

Zu den Wissenschaftlern, die Nina Kulagina untersuchten, gehörten unter anderem Prof. Leonid Wassiliew sowie Prof. Jakow Petrowitsch Terlezki, die zwischen 1963 und 1966 in Leningrad verschiedene Experimente durchführten – teils in Privaträumen, teils aber auch unter kontrollierten Bedingungen im Labor. Von manchen Experimenten sind Schwarzweißfotos und Stummfilme angefertigt worden, die Sie in hier auszugsweise anschauen können. Darin scheint Nina Kulagina Salzstreuer, Streichhölzer, eine Kompassnadel und schließlich auch den ganzen Kompass ohne physische Krafteinwirkung zu bewegen.

VIDEO: Nina Kulagina (ARD-Dokumentation)

06:22 Minuten, deutsch

Dies ist ein Ausschnitt aus einer ARD-Dokumentation zur Telekinese. Er enthält Filmaufnahmen verschiedener Vorführungen von Nina Kulagina, teils im Beisein von Wissenschaftlern.

Während Prof. Leonid Wassiliew bereits seit den 1920er Jahren mit parapsychologischer Forschung vertraut war, betrat Prof. Jakow Petrowitsch Terlezki als theoretischer Physiker im Fall Kulagina Neuland. 

Beide Forscher standen unter Beobachtung des sowjetischen Staatsapparates und zogen mit ihren Untersuchungen auch das Interesse des Geheimdienstes KGB auf sich. Eine Kontrolle über die parapsychologische Forschung war der sowjetischen Staatsführung deshalb wichtig, weil sie in mutmaßlich übersinnlichen Fähigkeiten ein Potential für militärische und nachrichtendienstliche Anwendungszwecke vermutete. In dieser Grundhaltung zeigt sich eine Parallele zum Projekt „Stargate“ der US-Geheimdienste (siehe hierzu unsere entsprechende Artikelsammlung zum Remote Viewing).

Im Jahr 1974 reiste der deutsch-australische Psychologe Prof. Jürgen Keil nach Russland, um sich ein unabhängiges Bild von Nina Kulagina zu machen. Sie kennen Professor Keil vielleicht schon von unserer Artikelseite zur Reinkarnationsforschung: Er gehört neben Prof. Stevenson, Prof. Mills, Prof. Pasricha und Prof. Tucker zu den wenigen Wissenschaftlern, die Feldforschungen auf dem Gebiet kindlicher Spontanerinnerungen betrieben haben. Wie Sie dem Interview mit Professor Keil und seinen persönlichen Kameraaufnahmen im obigen Video (ab Minute 4:02) entnehmen können, schien auch er von Nina Kulaginas Fähigkeiten überzeugt gewesen zu sein.

Anders als bei der Reinkarnationsforschung und den vielen anderen parapsychologischen Forschungsarbeiten, die wir im Themenbereich "Bewusstseinsforschung" dokumentiert haben, ist im Zusammenhang mit Nina Kulagina keinerlei wissenschaftliche Publikation erschienen. Weder Professor Keil noch die russischen Wissenschaftler haben jemals ein Buch oder auch nur einen Fachartikel zu ihren Untersuchungen veröffentlicht. Diskussionen in der wissenschaftlichen Community blieben insofern aus und der Name Nina Kulagina ist heute nur noch wenigen Kennern der Parapsychologie ein Begriff.

Tatsache ist, dass bis zum heutigen Tage weder Nina Kulagina selbst, noch sämtlichen Wissenschaftlern, die sie untersuchten, Betrug nachgewiesen werden konnte – und das trotz massiver Vorwürfe von Skeptikern, die Nina Kulagina jedoch nie persönlich überprüften, sondern stets nur aus der Ferne mutmaßten, wie die unterstellten Tricks hätten funktionieren können (so zum Beispiel der britische Skeptiker Martin Gardner). 

Eine umfassende und kritische Überprüfung der verschiedenen skeptischen Einwände hat der US-amerikanische Autor James A. Conrad vorgenommen. In seiner umfangreichen Untersuchung stellt er die Behauptungen der Skeptiker systematisch auf den Prüfstand und versucht sie auf Basis von historischen Bild- und Videoanalysen zu widerlegen. Unabhängig davon, ob man seinen Argumenten folgen möchte oder nicht, ist diese Fallstudie allein schon wegen des Rückgriffs auf die zahlreichen Originalquellen wertvoll. Unter "Weiterführende Informationen und Buchtipps" finden Sie den Direktlink zu Conrads Analysen.

3) Weiterführende Informationen und Buchtipps